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von Menschen im Gailtal, die anpacken können

Hochwasser im Gailtal

Nach einem goldenen und milden Herbst, der schöner nicht hätte sein können, trifft uns in den letzten Oktobertagen das große Unheil. Der Wetterbericht hat zwar starke Regenfälle und Überflutungen prognostiziert, dass es unser Tal und unser Nachbardorf aber so schwer treffen würde, damit hat niemand von uns gerechnet. Der Herbst 2018 wird uns nun wohl nicht mehr als goldener Herbst in Erinnerung bleiben, sondern als jener, der uns ein 30 – 100-jähriges Hochwasser gebracht hat. Als Bloggerin schreibe ich vorwiegend über viele schöne Erlebnisse abseits des Alltags. Aber ich sehe es auch als meine Pflicht an, auf aktuelle Ereignisse einzugehen, vor allem wenn sie direkt vor meiner Haustüre passieren. Dieser Beitrag ist eine Herzensangelegenheit, in dem ich nicht nur zeigen möchte, was wir in den letzten Tagen erlebt haben. Mit diesem Artikel möchte ich allen danken, die selbstlos mit anpacken, wenn die Not groß ist. Es gibt Menschen, die einfach da sind, wenn andere Hilfe brauchen.feuerwehr-rattendorf-häuser-räumenWasserstand-Hochwasser-Rattendorf

Die Chronologie der Ereignisse ist auf vielen Social Media Kanälen und in unzähligen Berichten lokaler Zeitungen nachzulesen. Viel wurde über die Ereignisse der letzten Tage berichtet.

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Als in der Nacht vom 29. auf den 30. Oktober 2018 Zivilschtzalarm bei uns in den Ortschaften Rattendorf und Jenig ausgelöst wird, sind wir uns noch nicht so genau im Klaren darüber, welches Ausmaß die Katastrophe wirklich genommen hat. Der Stromausfall soll an diesem Tag bis in die Abendstunden dauern. Wir haben auch kein Wasser und die Straßen sind gesperrt weil sie teilweise überflutet oder weggerissen wurden. Der ganze Ort – nein das ganze Tal steht unter Schock. Der Ringdamm, der den Ort Rattendorf vor Wassermassen schützen sollte wurde überspült. Die Gaildämme in Waidegg und Rattendorf sind gebrochen. Wassermassen aus dem Gailfluss haben sich auf Rattendorf zuggewälzt und Häuser überflutet. Auch die Kirche mitten im Dorf steht unter Wasser.hochwasser-rattendorf-ringdamm hochwasser-rattendorf-schäden hochwasser-rattendorf-feuerwehren-einsatz-bezirk

Die Tage nach der Flut

Selbstlos rücken die Feuerwehrmänner wie immer wenn die Sirenen heulen aus. Sie ahnen vermutlich schon, dass dieser Einsatz länger als ein paar Stunden dauern wird. Es gibt viel zu tun im Dorf. Häuser müssen ausgepumpt und ausgeräumt werden. So viele Familien hat es wirklich schwer getroffen. Die Schäden sind riesengroß. Nach und nach erfahren wir, was alles passiert ist. Tiere konnten in letzter Minute vor dem so schnell ansteigenden Wasser gerettet werden. Sie können in anderen Ställen im Dorf unterkommen, damit man sie melken kann und sie nicht ertrinken. Einige Schafe und Kühe, die in Ställen auf den Feldern zwischen Waidegg und Rattendorf unterbracht waren, konnten leider nicht mehr gerettet werden. Sie müssen nun mit dem Hubschrauber geborgen werden, damit es nicht zu Seuchen kommt. Das Befahren der Wege und Felder wird noch wochenlang nicht möglich sein. Zum Vergleich zeige ich, Fotos von diesem Gebiet vom Sommer 2018 vom Herbst 2018.Rattendorf-sommer-radweghochwasser-rattendorf-gaildamm-rattendorfrattendorf-sommer-vor-hochwasserhochwasser-rattendorf-felder-überflutet

Fast alle Feuerwehren des Bezirkes schicken ihre Truppen in die betroffenen Gebiete. Wir sehen Männer, die bis zum Becken im Wasser stehen und Häuser von Wasser und Schlamm befreien. Am 2. Tag nach den Überflutungen regnet es wieder. Nein, es schüttet den ganzen Tag und die Helfer stehen unermüdlich im Einsatz. Feuerwehrleute und auch viele Freiwillige packen mit an. Verwandte helfen ihren Familien, in Gummistiefeln und mit Kübeln und Schaufeln ausgerüstet arbeiten sie von frühmorgens bis die Dämmerung über den Ort hereinbricht.hochwasser-rattendorf-schäden

Ich bin für die Feuerwehr im Ort unterwegs. Die Einsatzleitung hat mich gebeten, Fotos zum machen, um die Ereignisse auch für die Feuerwehr-Chronik zu dokumentieren. Die Einsatzkräfte selbst haben freilich andere Dinge im Kopf. Sie müssen sich zum Beispiel darüber Gedanken machen, wie sie in den wenigen Stunden, die sie momentan daheim sind ihre Kleidung trocknen können. An ausreichend Schlaf ist in diesen Tagen gar nicht zu denken. Die vielen Helfer-Trupps müssen auch entsprechend koordiniert und eingeteilt werden.Hochwasser-Rattendorf-Einsatzbesprechung

von selbstloser Hilfe und Nächstenliebe

Im Feuerwehrhaus duftet es nach warmer Suppe und Schweinsbraten. Töpfe klappern und es herrscht geschäftiges Treiben. Frauen aus Rattendorf und Jenig machen sich hier zu schaffen und verteilen Essen an die Einsatzkräfte. Die Hoteliersfamilie Oberjörg hat sich sofort dazu bereit erklärt, die Feuerwehrleute zu verköstigen. Täglich kochen sie über 100 Essen für alle Helfer in ihrer Küche aus. Im Feuerwehrhaus türmen sich auch Kuchen, belegte Brote und Getränke. Die Frauen erzählen mir, dass viele Gailtaler aus umliegenden Dörfern unaufgefordert Speisen vorbeibringen. So viele wollen helfen – und so viele machen es einfach, ohne lang darüber nachzudenken.hochwasser-rattendorf-freiwillige-helfer hochwasser-rattendorf-helfer-einsatz

Am Abend spaziere ich zum Haus meines Schwagers, um ihm Kleidung vorbeizubringen, die wir bei uns daheim getrocknet haben. Ich treffe Anni, meine liebe Sängerkollegin und einen der hilfsbereitesten Menschen, die ich kenne. Sie erzählt mir, dass sie bei den betroffenen Häusern in Rattendorf nasse Wäsche einsammeln geht. Diese wäscht sie daheim und bringt sie getrocknet und gebügelt wieder bei den Betroffenen vorbei. Die Leute, deren Keller und Häuser überschwemmt wurden, haben momentan nicht nur keine Zeit zum Wäschewaschen – nein sie haben auch teilweise keine funktionierenden Geräte mehr, mit denen sie das machen können.Einsatzkräfte-Hochwasser-Rattendorf

Ich habe an diesem Tag, an dem ich im Ort unterwegs war, so viel gesehen, dass mich zum Nachdenken bringt und mein Herz berührt hat. Die Menschen am Land halten zusammen, wenn das Schicksal so gnadenlos zuschlägt und das Hab und Gut von vielen zerstört wird. Ich habe Landwirte gesehen, die mit ihren Traktoren und Arbeitsgeräten im Dorf unterwegs sind, um Nachbarschaftshilfe zu leisten. Ich habe Unternehmer gesehen, die Unrat entsorgen, statt sich um den eigenen Betrieb zu kümmern. Die Leute hier opfern ihre Arbeitszeit, Freizeit und Urlaubstage, um anderen helfen zu können. Die Feuerwehr ist nicht nur eine Organisation, wo auf Feuerwehrfesten getanzt, gefeiert und getrunken wird. Die Kameraden sind Menschen, die unermüdlich für andere im Einsatz sind, wenn Hilfe gebraucht wird.Feuerwehren-arbeit-hochwasser Keller-ausräumen-rattendorf Rattendorf-Hansbauerhof-HochwasserEinsatzkräfte-Hochwasser-Rattendorf-Hansbauerhof

So viele Bewohner unseres Dorfes und Tales helfen wo sie können. Sei es der Feuerwehrmann, der bei Auspumpen von Kellern mitarbeitet, der Nachbar, der beim Schaufeln vom nassen Pellets mithilft, die Frau des Feuerwehrmannes, die warme Suppe austeilt, die Pensionistin aus dem Nachbardorf, die für saubere und trockene Wäsche sorgt, oder die Bergbäurin die 20 km entfernt wohnt und Reindling und Brötchen vorbeibringt.  Ich kann schreiben und Beiträge auf meinem Blog veröffentlichen. Ich möchte meine Reichweite dazu nutzen, all diesen Menschen an dieser Stelle zu danken. Für die Hilfe und Einsatzbereitschaft, die bei vielen so selbstverständlich ist – und von Herzen kommt.Einsatzkräfte-Rattendorf

Schäden durch Versicherung großteils nicht gedeckt

Die Schäden im Gail- und Lesachtal sind noch nicht genau messbar, werden aber in die hunderte Millionen Euro gehen. Die Versicherungen haben schon darauf hingewiesen, dass viele Schäden an den Häusern nicht übernommen werden können, weil sie nicht gedeckt sind. Der Bund hat schon Hilfe aus dem Katastrophenfond zugesagt, doch wie viel wird das wirklich sein?

Die Feuerwehr Rattendorf hat ein Spendenkonto für die betroffenen Familien eingerichtet. So kann jeder helfen, der diesen Beitrag liest und keine Möglichkeit hat, mitanzupacken oder Verpflegung für die Helfer zu bringen. Und jeder Euro zählt!hochwasser-rattendorf-große-schäden

Hochwasserhilfe Rattendorf

Spendenkonto der Freiwilligen Feuerwehr Rattendorf:
Raiffeisenbank Kötschach Mauthen,
IBAN: AT55 3936 4000 3085 5803

Danke für deine Hilfe!

Alles Liebe,
Anita

 

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10 Kommentare

  • Antworten Andrea Zechner

    Vielen Dank Anita für den so berührenden Beitrag! <3

    3. November 2018 at 23:39
    • Antworten Anita

      Danke meine Liebe! Und danke, dass du mich in meiner Blogarbeit immer so sehr unterstützt! LG Anita

      11. November 2018 at 11:28
  • Antworten Karin Tschabuschnig

    Danke für diesen wertvollen Blog. Berührt mich sehr.

    3. November 2018 at 21:45
    • Antworten Anita

      Danke für dein Feedback, liebe Karin!

      11. November 2018 at 11:28
  • Antworten Elke

    Danke Anita für deinen tollen Blogbeitrag! lg Elke

    3. November 2018 at 20:06
    • Antworten Anita

      Vielen Dank für deine lieben Worte :*

      11. November 2018 at 11:28
  • Antworten Manfred Jost

    Liebe Anita! Herzliche Gratulation zu deinem wunderbaren Artikel. Man muss bzw. ich will aber auch dir danken. Du und Familie Zankl habt uns am frühen Morgen trotz Stromausfall in der Tankstelle mit warmen Tee versorgt. Vielen Dank dafür. Selbiges gilt auch den netten Damen, die uns in der Nacht auf der Gailbrücke in Rattendorf ebenfalls Tee zum Aufwärmen vorbei gebracht haben. GlG Manfred Jost!

    3. November 2018 at 19:39
    • Antworten Anita

      Herzlichen Dank für dein liebes Feedback! GLG aus Jenig

      11. November 2018 at 11:28
  • Antworten Maria Achatz

    Danke Anita für den wahrheitsgetreuen Bericht. Für das Dorf ist es ja nicht das erste Hochwasser. Wir können uns noch ganz gut an die Jahre 1965und 1966 erinnern, das wir nie vergessen haben.

    3. November 2018 at 17:24
    • Antworten Anita

      Danke für deinen Kommentar, liebe Maria. Für mich war es die erste Katastrophe dieser Art in meiner unmittelbaren Umgebung. Ich weiß, dass viele bei uns hier noch mit den Erinnerungen von 1966 zu kämpfen haben… und nun stehen wieder sehr viele vor den Trümmern ihrer Existenz. Ein bedrückender Gedanke…

      11. November 2018 at 11:27

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